über Kunst

BILDER Das Sammeln von Gemälden ist so alt wie diese selbst. Zu allen Zeiten sind f zur Ausstattung von Kunstkammern, aus denen später die Museen hervor» i gingen, aus Kunstfreude und Gründen der Repräsentation Bilder und Zeichnungen gesammelt worden. Es entsprach einem lebendigen kulturellen Bedürfnis, gehörte zum guten Ton und war früher kaum als Wertanlage gedacht. Natürlich waren große Malernamen gesuchter, man wollte Meister» leistungen der Kunst besitzen

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Ebenso alt wie die Kunstwerke sind Nachahmungen und Fälschungen. Es trifft zu, daß zeitgemäße Fälschungen in ihrer Zelt schwerer erkannt werden als von späteren Generationen, die vergangenen Kunstepochen kritisier gegenüberstehen. So dürfen auch alte Benennungen, besonders wenn es sich um große Meisternamen handelt, nur mit Vorsicht übernommen werden. Falsche Bildzuschreibungen an große Maler waren zu allen Zeiten üblich. Die auf uns gekommenen unsignierten Gemälde sind im Hinblick auf ihre Maler zum großen Teil nur Zuschreibungen mit mehr oder geringerer Aus- sicht auf Richtigkeit. Am häufigsten treffen die mit den Bildern verbundenen Künstlernamen dann zu, wenn sie kleinere und weniger bekannte Namen nennen. Eine Überlieferung bis in die F.ntstehungszcit eines B.Ides wird nur in den seltensten Fällen beweisbar sein. Meist bestehen falsche Vorstellungen über die seit der Entstehung eines Kunstwerkes vergangenen Generationen. Hierher gehört auch die Überlegung, daß die uns mit ihren Werken einigermaßen vertrauten Künstler der Zahl nach nur etwa ein Fünftel der uns durch literarische Überlieferung. Urkunden und Lexika bekannten Malernamen ausmachen. Das Werk dieser, uns nur dem Namen nach, aber nkht mit ihren Schbpfun» gen bekannten Maler ist ein Mehrfaches der mit Sicherheit bestimmten Gemälde, die zum Beispiel in der wissenschaftlichen Literatur und ln Mu- seumskatalogen als Vorbilder erscheinen Es liegt sehr nahe, dass manche guten, unbezeichneten Werke kleinerer Meister dem Oeuvre der großen bekannten eingereiht wurden. Nur langsam und mühevoll gelingt es der Forschung, durch Vergleiche, durch Auflösung apokrypher Signaturen und unter Heranziehung literarischer Quellen aus dem großen Bestand unbe- kannter und falsch benannter Bilder sichere Zuschreibungen zu gewinnen.Depositphotos 8688663 Xs in über Kunst

Das Streben, den in alter Zeit *0 häufig nicht signierten Bildern den richtigen Namen zu geben, wird aber seine Grenzen dort finden, wo geringe Qualität oder schlechte Erhaltung die Forschung. unmöglich macht. Es istheute kaum mehr zu erwarten, daß der erhaltene Bestand an bekannten guten Bildern durch Neuentdeckungen bedeutender Schöpfungen unbekannter Meister bereichert wird. Bilder großer Meister sind prozentual mehr erhalten geblieben; da sie schon früher als wertvoll galten, wurden sic bes- ser geschützt und bei allen Katastrophen bevorzugt gerettet. Trotzdem muß man wohl annehmen, daß nur die Hälfte alter Gemälde auf uns gekommen ist. Dieses Verhältnis ist bei den Malern des 19. Jahrhunderts wesentlich günstiger, zahlenmäßig stehen sie aber gegenüber den alten Meistern weit zurück. Es wäre interessant, die Zahl der erhaltenen Bilder verschiedener Länder und Zetten miteinander zu vergleichen; wahrscheinlich würde dann die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts an der Spitze stehen. Die 500 Maler dieses Jahrhunderts haben weit über die Heimat hinaus Sammler und Fürstenhöfe Europas mit ihren Werken beliefert.

 

Das Zweite Rokoko,

Das Zweite Rokoko,
das in Wien schon in den zoer und 3oer Jahren bei der Einrichtung des Palais Liede= tenstein ansetzt. Das Louis.Philippe war seine Parallele in Frankreich und zeitigte in Paris so gute Nachbildungen und Arbeiten im Stil Louis=XV, daß sie schon viele Sammler von Möbeln „aus der Zeit” getäuscht haben. Es kam der Stil des zweiten Kaiserreichs, ein barock angereichertes Louis=XVI, aie Neugotik der 4oer, Neurenaissance der 5oer und der Neubarock der 6oer und 7oer Jahre, überschattet von der parallel weiterlaufenden Neurenais= sance, die ihre schrecklichste Ausartung in den Soer und ooer Jahren erlebte.. Das Ende war das Nebeneinander von allem im letzten Jahrzehnt des -1._ Jugendstil Jahrhunderts und die gleichzeitige „Creierung” des Jugendstils, der Ost= asiatisches und Seerosennaturalismus mengte und eine neue struktive Form suchte, das heißt vom Verstande her konstruierte. Hier ist ein Ausgangs= punkt des sogenannten modernen Möbels, dessen wesentlichste Aufgabe es ist, praktisch, bequem und sachlich zu sein und das weniger das Ergebnis einer künstlerischen Gestaltung als einer zweckmäßigen technischen Konstruktion darstellt.

Depositphotos 24993203 Xs-198x300 in Das Zweite Rokoko,Die Pflege der Möbel Man sagt vom Holz, daß es das ewige Leben habe, daß es „arbeitet”, sich verändert. Besonders so lange es jung ist, quillt Holz bei großer Feuchtig. keit, schwindet und wird rissig bei zu großer Trockenheit. Alte Möbel sind diesen Veränderungen in geringerem Maße unterworfen als neue, denn erstere wurden aus altem, lang abgelagertem Holz gefertigt und dazu auch mit der Hand – nicht maschinell – sehr sorgfältig gearbeitet. Es gibt Feuc:htigkeits. Feuchtigkeitsschäden durch schadhafte Dächer von Lagerhäusern, durch be. schilden sondere Umstände wie Krieg und Bergung. Holz, das sich geworfen hat bildet sich nur schwer zurück und kaum wieder so in die Fläche wie vordem. Es muß einem tüchtigen Kunstschreiner zur Reparatur übergeben werden. Trockenschäden – Trockenschäden kommen vor, wenn Möbel zu nahe und zu lange im der unmittelbaren Nähe von Heizkörpern der Zentralheizung stehen. Diese Schäden sind vermeidbar, denn alte Möbel sind nicht empfindlich. Die zum Teil eingelegten Möbel des Verfassers stehen seit über 25 Jahren in zen= tralgeheizten Räumen und haben dadurch noch keinerlei Schäden erlitten. Besonders empfindlich sind Boullemöbel, da sie aus ganz verschiedenem Material mit verschiedenen Spannungsverhältnissen wie Metall, Elfenbein und Schildpatt mit Holz kombiniert sind, vor allem gegenüber Trockenheit Keine Sonnen. – Direkte Sonnenbestrahlung ist ungünstig. Sie laugt das Holz aus und bestrahlung bleicht es in einem Maße, daß zum Beispiel Mahagoni wie Kirschbaum aus= sehen kann. Genau wie Bilder und Gewebe soll man auch Möbel durch Sonnenvorhänge schützen. Keine Politur, nur Wachs Möbel sollte man nach Möglichkeit nicht neu aufpolieren, sondern nur mit einer dünnen Wachslösung von Gebrauchsspuren reinigen.

 

Aber wie erkennt man den urspruenglichen Zustand?

Depositphotos 28693355 Xs in Aber wie erkennt man den urspruenglichen Zustand?Aber wie erkennt man den ursprünglichen Zustand,
die ergänzten Teile, vielleicht die Nachbildung des ganzen Möbels? – Der Verfasser hat sich selbst schon geirrt und es sogar bei den größten Experten für Möbel erlebt, daß sie sich geirrt haben oder aber feststellen mußten, daß sie die Kardinal. … ‘ frage, ob das Möbel „aus der Zeit” sei oder nicht, nicht eindeutig mit ja oder nein beantworten konnten. Es muß daher leider gesagt werden, daß das Erkennen von Fälschungen und Nachbildungen, wenn diese nicht plump, ,… ev. sondern raffiniert gemacht sind, sehr schwierig ist und man sich diese .. Erkennen von Fähigkeit nur graduell in langen Jahren und kaum absolut aneignen kann. FälschungenVon zwei Seiten her muß die kritische Untersuchung des Möbels erfolgen: einmal von der kunst. und stilgeschichtlichen und dann von der handwerk. lich=technischen Seite. Der kunst. und stilgeschichtliche Kenner wird darauf achten, ob die Form und das Ornament zeitlich zusammenstimmen; am offenkundigsten für den Kenner verrät der Zierat stilistische und zeitliche Abb. 86 Lack. P Unreinheiten, zum Beispiel die Kombination von ornamentalen Elementen von 168o mit solchen von 175o. Da die Möbelfälscher zwar hervorragende Kunstschreiner sein müssen, aber in der Regel wenig von Stil. und Ornamentgeschichte verstehen und sich darüber erhaben dünken, geben sie sich fast immer im Zierat eine Blöße. Die andere Untersuchung bezieht sich auf – — den Zusammenbau, das Holz, gewissermaßen das Innere des Möbels. Man • wird es auf den Kopf stellen, die Schubladen herausziehen, in das Innere leuchten, untersuchen, wo etwa späteres und anderes Holz die nachträgliche Arbeit verrät, ob die Schubladen genagelt oder schon mit Nut und Feder zusammengefügt sind, was kaum vor 175o möglich ist, ob die Nägel alt, also handgeschmiedet, oder Maschinennägel sind, ob man alte Firmenaufschriften, Inventarnummern, mit dem Pinsel aufgemalte Schloßinventarzeich und Brandstempel von Besitzern findet. Am besten zieht man beim Erwerb kostbarer Stücke einen zuverlässigen Handwerksmeister hinzu oder einen erfahrenen und im Kunsthandwerk versierten Kunsthistoriker. Aber raffe’. nierte Fälscher arbeiten nur mit altem Holz, alten Nägeln, alten Handwerks. methoden. Abb. 88 Pari Wann werden Wann werden überhaupt Möbel gefälscht? Eigentlich lohnt es sich nur no Möbel gefälscht? bei sehr hochwertigen Stücken. Denn die gute Nachbildung der Mittelware – 2 _ kostet heute eher mehr als das alte Original. r Eine gute Pariser Louis.XV=Kommode, die heute über 10 000.- Mark w-eet ist, wird dennoch selten, ja kaum gefälscht. Denn es ist fraglich, ob ein hen. tiger Handwerker das noch kann. Aber das sogenannte Louis.Philippe, das französische Zweite Rokoko des frühen ao. Jahrhunderts, hat noch aus alter handwerklicher Tradition und mit den alten Methoden Furniermöbel ze. schaffen, die zuweilen auch die besten internationalen Kenner nur schwer vom Möbel des i8. Jahrhunderts unterscheiden können, besonders wenn es sich um sogenannte kapitale Stücke handelt.

 

ORIENTTEPPICHE

ORIENTTEPPICHE
die in Heimarbeit Teppiche herstellen, und schließlich die Manufakturen der größeren Städte, in denen nach einem künstlerisch-industriellen Pro. gramm Teppiche geknüpft werden. Diese drei Gruppen stehen aber nicht getrennt voneinander, sondern berühren und überschneiden sich gegen. seitig. So steigen die Muster aus den Zelten der Nomaden bis zu den Manufakturen auf, oder die künstlerischen Vorlagen der Hofmanufakturen sinken mehr und mehr ab, bis sie schließlich nur noch an fragmentarischen Resten in einem Nomadenteppich wieder erkennbar sind. Geschichte des Orientteppichs Es läßt sich kaum mehr feststellen, wann man damit begonnen hat, Knüpf- teppiche herzustellen. Zunächst handelte es sich wohl um einen Ersatz für wärmende Tierfelle, die den Hirtennomaden nicht immer zur Verfügung standen. Eine gewebte Decke z. B. wurde dadurch wärmer und dichter gemacht, daß man lange Wollfäden hineinknüpfte, wie es heute noch in manchen Gegenden des Balkans geschieht. Dieses Knüpfen war wahrscheLn. lich so zu verstehen, daß auf der einen Seite des Gewebes die Fäden als zottiges „Fell” etwa 4 bis 5 cm herunterhingen. Mit der Zeit begann man diese Arbeiten, die zunächst nur als Kälteschutz gedient hatten, sorg. fältiger und schöner zu machen; die ersten Muster kamen auf. Es handelte sich wohl um ganz einfache Streifenmuster, die erst im Laufe der Ze:t reicher wurden. Nach und nach verschwand das Grundgewebe bis auf ein Minimum zugunsten des eingeknüpften Musters. Natürlich konnte das Muster als solches erst dann sichtbar werden, wenn die eingeknüpften Fäden nicht mehr als zottiges Fell über die Teppichoberfläche hingen; damit war die Schur des Teppichs zur Notwendigkeit geworden.

 

Depositphotos 8080823 Xs in 	ORIENTTEPPICHEAls älteste Teppiche galten bis vor wenigen Jahren die Fragmente, die S. Die frühesten Aurel Stein und die deutsche Turfan=Expedition in den Städten der beiden erhaltenen ostturkestanischen Züge der großen Seidenstraße gefunden hatten. Diese Denkmäler Stücke lassen sich in die Zeit zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert na-± Christus datieren. Nach dem Stil und der Technik dieser Stücke glaubte man bisher, daß der Teppich im engeren Sinn in den letzten Jahrhunderte-vor Christus entstanden sei. Erdmann nimmt als Entstehungsland Westturkestan an und Turkvölker als Träger dieser Kunst. Neuerdings wurde diese Theorie grundlegend erschüttert durch den Fund einer russischs- Expedition im Jahr 1949 in Pasyryk im Altaigebiet. In einer Höhle wurde im Grab eines skythischen Fürsten ein durch Vereisung fast vollständir. erhaltener Teppich in der Größe von 189 x 200 cm gefunden. Er läßt sich nach der Art seiner Darstellung – Friese von Reitern und Elchen und eine Art Fliesenmuster in beige und terracotta Tönen – ohne Schwierigkeiten in das 3.-4. Jahrhundert vor Christus datieren. Wenn es sich bei diesem Stück wirklich um einen Knüpfteppich handelt, was von Erdmann bestritten wird, so müßte man die Entstehung des Teppichs viel weiter als bisher zurückdatieren.

 

wohl bis zur Haelfte des 15.Jhrt.s

wohl bis zur Hälfte des 15. Jahrhunderts
in allen Bereichen des orienta. lischen Teppichs verbindlich gewesen sein. Erstmalig ging man im 16. Jahrhundert in Ägypten von diesem Dekoration. prinzip ab, etwas später auch in Persien. Dagegen blieb dieses Grundgesetz besonders in Kleinasien und im Kaukasus bestehen. Wir sehen es vor Holbeinteppiche allem bei den sogenannten Holbeinteppichen ausgebildet, die aus der Ge• gend von Bergamo (Kleinasien) stammen und sich in ihrer Musterung von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zum 17. Jahrhundert wenig ändern. Sie zeigen vorwiegend Gelb auf leuchtendrotem Grund. Der Name ist irreführend: Teppiche dieser Art sind nie von Holbein (1497/98-1543) ge. malt worden. Dagegen finden wir sie auf Bildern italienischer und nieder. ländischer Maler bereits hundert Jahre vor Holbein. In engstem Zusammen* Uschak hang mit den Holbeinteppichen stehen die ebenfalls kleinasiatischen Uschak, deren verschiedenartige Muster sich auch über anderthalb Jahrhunderte halten, genau wie ihre Farben, die von einem tiefen leuchtenden Blau und Rot bestimmt werden. Die Muster reichen nicht über das 16. Jahrhundert zurück. Eine Gruppe der Uschak zeigt bereits in ihren Mustern eine Berührung mit persischen Teppichmotiven. Kaukasische Im späten 15. Jahrhundert tritt als bedeutendes Teppichland der Kaukasus Drachenteppiche mit seinen Drachenteppichen auf, die an die frühesten Teppichmuster an• knüpfen, daneben aber einen starken chinesischen Einfluß verraten. Diese Drachenteppiche halten sich bis ins 18. Jahrhundert. Mamelukentep= Mit den Mamelukenteppichen Ägyptens aus dem 15. und 16. Jahrhundert pidie Ägyptens erscheint erstmalig ein neues Musterungsprinzip. Diese Teppiche, in Kairo entstanden, werden im Handel häufig als Damaskusteppiche bezeichnet Sie sind auf eine Mitte hin orientiert, der alle anderen Musterteile untere geordnet sind. Damit ist der „unendliche Rapport” aufgegeben, zugunsten einer auf das Innenfeld konzentrierten Komposition. Die typischen Farben, die immer wiederkehren, sind ein Ziegelrot, ein helles Blau und grünliches Gelb, die im Laufe des 16. Jahrhunderts noch um einige Töne vermehrt werden. Im ganzen gesehen, machen die Mamelukenteppiche mit ihren kleinteiligen Mustern einen kaleidoskopartigen Eindruck. Eine gewisse Verbindung zwischen den persischen und den Kairener Teppichen zeigen die anatolischen Teppiche des 16. Jahrhunderts. Die Verwandt• schaft mit den ägyptischen Stücken kommt vor allem in der Farbgebung und Technik zum Ausdruck, in gewissem Sinn auch im Schema der Musterung. Während jedoch die Mamelukenteppiche rein geometrische Formen auf wei. sen, zeigen die Medaillons der anatolischen Stücke vegetabilische Motive; wir finden Nelken, Tulpen und Hyazinthen. Zu dieser Gruppe gehören auch die Türkische frühen türkischen Gebetsteppiche.

 

Solche Stuecke..

Solche Stücke die im Handel  häufig vorkommen,
sind  nahezu wertlos. Als 1722 die Dynastie der Safawiden gestürzt wurde, endete auch die bedeutende Zeit des persischen Teppichs. Durch die Verarmung des Landes mußten die großen Manufaktur en geschlossen werden. Die Vorlagen gingen verloren, ebenso die kostbaren alten Farbrezepte. Die Muster sanken in die kleinen Hausmanufakturen ab, oder sie wanderten in das große Auffangbecken der Teppichmuster: den Kaukasus. Das spätere 18. und das 19. Jahrhundert brachten für den Orientteppich zwar große Nadir frage und damit eine Steigerung der Produktion, bildeten jedoch, gemessen an den vergangenen Jahrhunderten, bereits einen Abstieg. Verbreitungsgebiete Teppiche gibt es in vielen Landschaften des Vorderen, mittleren und östlichen Orients. Es lassen sich fünf Landschaftsgruppen herausgreifen, nach denen man den Orientteppich einteilt: 1. die Türkei, also Kleinasien oder Anatolien, z. der Kaukasus, 3. Persien. 4. Turkmenien, 5. das weitere Ostasien, Indien, China. Diese Gebiete haben die „klassischen” Teppichmuster entwickelt und zeigen bei aller Zusammengehörigkeit doch eine so große Verschiedenheit der Musterung, daß man danach eine gruppenmäßige Einteilung des Orientteppichs vornehmen kann. Türkei Der typischste Vertreter des kleinasiatischen Teppichs ist der Gebetsteppich (Abb. 99). Das geht so weit, daß man häufig jeden Gebetsteppich als Ana. tolier bezeichnet. Daneben gibt es aber auch in Kleinasien Teppiche mit anderen Musterungsschemen; so sind vor allem Medaillonteppiche häufig. Zuweilen treten, vor allem in den Nomadenteppichen, strenge geometrische Muster auf, die bereits an kaukasische Einflüsse denken lassen. Die Farben des kleinasiatischen Teppichs haben lichten und hellen Charakter. Kaukasus Die Teppiche des Kaukasus zeigen als gemeinsames Merkmal eine geradlinige geometrische Musterung (Abb. 97). Die häufigsten Motive sind Vielecke, große und kleine Sterne. Oft findet sich ein großes gestuftes Mittelstück. Fast alle größeren Figuren sind mit Haken besetzt (Abb. 102 1. u.). Die Farben sind relativ schwer und dunkel. Persien Der persische Teppich (Abb. 106, 107), der im Sprachgebrauch häufig für den Orientteppich schlechthin gilt, hat neben seiner besonders feinen Knüpfung und großen Farbenpracht auch die am meisten durchgebildeten Muster entwickelt (Abb. 101 Mitte, 102 ob. Hälfte) mit einer Fülle pflanzlich.natura. listischer Elemente wie sonst in keinem Orientteppich. Vor allem das Mittel• feld ist oft ganz von zarten Blütenranken und Knospen überzogen.

 

Knuepfvorgang

Knüpfvorgang
Der Knüpfvorgang ist folgender: Ein Wollfaden, dessen Länge etwa 4 cm beträgt, wird um ein oder mehrere Kettfäden geknotet, so daß der Knüpf= faden mit zwei langen Enden auf der Vorderseite des Teppichs heraushängt Wnn so über die Breite des Teppichs eine Reihe von Knoten nebeneinande entstanden ist, wird sie mit einem Kamm fest niedergeschlagen und dann mit etwa zwei Schußfäden befestigt. Dann kommt eine neue Knotenreihe. und so geht es weiter. Somit entsteht das Grundgewebe des Teppichs wäh= Ghiordes= rend des Knüpfens. Man unterscheidet zwei Knotenarten: I. Ghiordes. Knoten oder türkischen Knoten, 2. Sennge= oder persischen Knoten (Abb. 95). Der Sennge= türkische Knoten ist fester mit der Kette verbunden, der persische läßt eine Knoten noch feinere Knüpfung zu. Der Teppich wächst von unten nach oben, so (lag in den großen Manufakturen die Knüpfer schließlich fast unter der Decke hängen. Die Knüpffäden nennt man den Flor. Je enger ein Teppich geknüpft ist, desto feiner tritt selbstverständlich sein Muster heraus. Ein feingeknüpf= ter Teppich erfordert, um das Muster klar erscheinen zu lassen, auch eine besonders niedrige Schur. Nach der Schur wird der Teppich gewaschen und gespannt. Große Teppiche erfordern zu ihrer Herstellung große Räume Somit ist klar, daß die großen Stücke in Städten, in Manufakturen, entstan= den sein müssen. Nomadenteppiche, die im Zelt geknüpft werden, können ebenso wie die Heimindustrieteppiche kein allzu großes Format erreichen. Kelim Neben dem Knüpfteppich erscheint in fast allen Gegenden der Kehrt Dieser Teppich ist nicht geknüpft, sondern gewirkt. Auch der Kelim wird auf einem aufrechtstehenden Stuhl hergestellt. Der Wirkvorgang ist dem des Webens ähnlich, doch wird der Schußfaden um den Kettfaden beid= seitig und nur soweit herumgeführt, als es die Farbe des jeweiligen Musters verlangt. Durch diese Technik erklären sich die typischen Kelimmuster und ebenso die kleinen Schlitze, die dort entstehen, wo zwei Farben anein= Shoumak anderstoßen. Eine Art Kelimtechnik zeigt der Shoumak (Abb. 97), nur wird der Schußfaden hier nicht wie beim Kelim mustergerecht hin= und zurück* Sileh= und geführt, sondern auf der Rückseite abgerissen. Ebenso ist es beim Sile’r.- V ernehteppich und V ernehteppich. Beide Teppiche sind gewirkt und zeigen außerdem no± eingestickte Muster.

 

Frueher wurden alle Teppiche mit Pflanzenfarben gefaerbt

Früher wurden alle Teppiche
mit Pflanzenfarben gefärbt. Diese haben den Pflanzenfarben zil, daß der Farbkörper die einzelne Wollfaser nicht durchdringt, wie bei chemischen Farben der Fall ist, sondern sich um die Faser herum. Dadurch wird die Wolle geschont und behält Weichheit und Glanz. wichtigste Grundstoffe für Farben sind zu nennen: Krapp für Rot, 7-1–zei.:holz für Grünbraun, Safran, Gelbholz, Gelbholzwurz für Gelb, Eichen. für Braun, Kreuzbeere für Lilarot, Eisenoxyd für Schwarz und Indigo Dazu tritt als einziger Tierfarbstoff Cochenille für Rot. Das Färben 1_7 das streng gehütete Geheimnis jeder Manufaktur, jeder Hausknüpferei jedes Nomadenstammes. Die alten Färber wußten, welche Farben licht= waren, und vermieden Farbmischungen, die leicht verblassen. So zeigen antiken Teppiche kaum mehr als sechs bis acht Farben (mit Ausnahme -_-=.zher persischer Teppiche der Safawidenzeit). • große Änderung durch das erstmalige Einführen der Ani. Einführung der Anilinfarben dr über Teppiche, die mit Anilinfarben gefärbt sind, eine so ig haben, ist darauf zurückzuführen, daß die orientalischen neuen Farben nicht umgehen konnten. Außerdem erwiesen ^nilinfarben als laut, zu grell, und auf die Dauer weder als stecht. Bald zeigten die Teppiche eine seltsam graugelbe diese schlechten und unschönen Anilinfarben die europäi. en zunächst rapid zurückgingen, erließ 1890 der Schah ein Färben mit Anilin bei strenger Strafe untersagte. Somit die persischen Teppiche (und nur für diese) zwischen 1899 reg Pflanzenfarben annehmen. In den übrigen Herstellungs. n dieser Zeit mit Anilin gefärbt. Aber auch da ging man :hten Erfahrung, die man gemacht hatte, wieder mehr und enfarben zurück. Allerdings wurden häufig in ein und dem. sowohl Anilin. wie auch Pflanzenfarben verwendet.

Depositphotos 8080823 Xs-225x300 in Frueher wurden alle Teppiche mit Pflanzenfarben gefaerbt

 

Abnuetzung

Abnützung
So muß zum Beispiel ein Beludsdüstan heule durchaus nicht mehr aus Turkmenien, sondern kann auch aus einer der großen Manufakturen Persiens oder der Levante stammen. Auch werden heute häufig in einem Teppich Muster, die nicht das geringste miteinander zu tun haben, vermischt. Bedingt ist diese Entwicklung natürlich durch den großen Bedarf Europas und Amerikas an echten Teppichen. So muil man leider sagen, daß der Orientteppich in seiner typischen Ausprägung im Aussterben begriffen ist, lediglich haben sich die Muster des Nomades.. teppichs einigermaßen rein erhalten. MT: Somit werden die neuesten Erzeugnisse in unseren weiteren Betrachtungen nicht berücksichtigt. Das folgende gilt vielmehr für alte und ältere Tee picke, die in der Zeit zwischen 2800 bis etwa zu Beginn des zweiten Welt. krieges entstanden sind. Ein ganz äußerliches Kennzeichen für einen alten Teppich ist das Format,’ Alte Stücke, die nicht für den Export hergestellt wurden, haben das typisch , das lange, schmale Format (Abb. 96). Doch gibt es auch ältere Exemplare, zuas iso Beispiel Geschenkteppiche, die ein breites, geradezu quadratisches Format im zeigen. Die heutigen „Normalmaße” 2% auf 3 m oder 3 auf 4 m lassen fast immer auf eine neuere Entstehung schließen.III Eine allgemeine, aber etwas ungleichmäßige Abnützung ist das zweite Kenn. zeichen für einen alten Teppich. Die Härte des Teppichs läßt mit der Zea nach, die Kettfäden reißen beim Auseinanderzupfen oder machen ein 1 brüchigen Eindruck. Ein weiteres Kennzeichen des Alters ist das Aue. 4i fallen der schwarzen, oder besser tiefdunkelbraunen Farbe, wodurch der Teppich ein nahezu reliefartiges Aussehen bekommen kann. Allerdings ist dies nur dann der Fall, wenn der dunkle Ton durch Gallsäure erreicht ist. (Dunkle Farbe mit Indigo nützt sich nicht mehr ab als jede andere G Farbe.) Beim alten Teppich, der also noch mit Pflanzenfarben gefärbt – ist, zeigen beim Auseinanderbiegen die Knüpffäden nur an den obersten „, Stellen ein ganz leichtes Nachlassen der Farben, während sie gegen unten …- nichts an Farbe verloren haben. Selbstverständlich fehlt es nicht an Mit. teln, neueren Teppichen ein altes Aussehen zu geben. So wurden um die Jahrhundertwende die fertigen Stücke vielfach einer Chlorwäsche unter. …i. , zogen, um die neuen Farben etwas abzudämpfen. Oder der Teppich wurde in einzelnen Fällen auf die Straße gelegt, so daß der ganze Verkehr dar. über hinweggehen konnte und er so ein „älteres” Aussehen bekam.

 

Reparaturen

Reparaturen
eines alten Stückes. Doch wird der Käufer auch bei einem alten Teppich auf eine möglichst gute Erhaltung sehen. Daß bei einem alten Stück noch der ganze Flor erhalten ist, ist nahezu unmöglich. Natürlich ist ein Teppich, der noch mehr Knüpfwolle zeigt, wertvoller als ein völlig abgetretener. Bei einem alten Teppich sind auch Reparaturen, soweit sie fachmännisch aus= geführt sind, nicht allzu wertmindernd. Allerdings dürfen die nachgeknüpf. ten Stellen keinen zu großen Raum einnehmen. Bei antiken Teppichen, soweit sie im Handel noch greifbar sind, lassen sich Reparaturen kaum je vermeiden. Hier muß der Sammler unter Umständen damit vorlieb nehmen, daß der Teppich an einer Schmalseite abgeschnitten ist. Gewisse Unregel= mäßigkeiten, die beim Nomadenteppich häufig sind, zum Beispiel plötz= licher Farbwechsel, Unregelmäßigkeiten des Formates, stören nicht, sondern können im Gegenteil sehr reizvoll wirken. Die einzelnen Teppichtypen 1. TÜRKEI Bergamo Bergamo. Dieser Teppich, der aus Westanatolien und den südanatolischen Nomadengebieten stammt, weist auf den qdm 800 bis izoo Knoten auf. Seine Kette ist aus Wolle oder Ziegenhaar ebenso wie der Schuß. Der Flor ist Wolle. Der Bergamo, der kaum als Gebetsteppich auftritt, gleicht in seinem äußeren Erscheinungsbild mehr einem Kaukasier als einem Ana= tolier, was darauf zurückzuführen ist, daß es sich um einen reinen Nomaden= teppich handelt. Als Grundfarbe zeigt er meist blau und ro… Die belieb= testen Muster sind in Hauptfeld wie Bordüre (Abb. ioi) Quadrat, Stern und Kis=Ghiordes Rhombus, die fast immer mit Haken besetzt sind. Der Flor des Bergamo ist ziemlich lang, seine Wolle weich, beinahe etwas lappig. Er erscheint fast nur in den Maßen einer Brücke. Größere Stücke sind außerordentlizh selten. – Eine Abart des Bergamos ist der sogenannte Mädchenteppich odn- Kis-Ghiordes. Es handelt sich dabei um einen kleinen, fast quadratischen Teppich. Ein solches, stets sehr fein geknüpftes Stück bekam die Tochter als Aussteuergut bei der Hochzeit mit. Der Kis=Ghiordes zeigt fast immer ein hakenbesetztes Mittelmedaillon auf unifarbenem blauem Feld. Brussa Brussa: Der Brussa, aus der nördlichen Türkei stammend, weist auf den qdm 1800-2500 Knoten auf. Kette und Schuß sind aus Baumwolle. Der Flor ist Schappseide oder Abfallseide und Baumwolle gemischt. Reine Seide ist sehr selten. Der Brussa ist einer derjenigen anatolischen Teppiche, deren Qualität mit ihrer zunächst einnehmenden Erscheinung nicht zusammen geht. Es handelt sich bei ihm fast immer um einen Gebetsteppich. Das Gebetsfeld ist rot, blau oder beige, fast immer uni.

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Kula

Kula Kula
Dieser Teppich, der ebenfalls aus der mittleren Türkei, hauptsäch. [ lich aus der Stadt Kula und ihrer Umgebung, stammt, weist eine Dichte von 800-1500 Knoten auf den qdm auf. Seine Kette besteht aus nauni. wolle oder Wolle, der Schuß aus Wolle oder Ziegenhaar, der Flor aus Wolle. Der Kula kommt fast nur als Gebetsteppich vor. Er zeigt ein viel. farbiges Muster auf blauer oder beiger Grundfarbe. Die Bordüre besteht aus großen Blumen, die weitgehend stilisiert sind. Neben der Haupt• bordüre laufen zwei schmale ausgemusterte Nebenstreifen. In seinen altes Vertretern ist der Kula ein guter Teppich. Seine Wolle ist gut, aber der ganze Teppich ist relativ weich. Seine Farbgebung macht ihn außerordentlich reizvoll. Meist tritt der Kula als Brücke auf, doch kommt er auch als klei. nerer Teppich bis zu 3 m Länge vor. Eine spätere Art des Kula ist der Friedhofsteppich sogenannte „Friedhofsteppich”. Hier ist das Gebetsfeld durch einen stili. sierten Lebensbaum in zwei Hälften geteilt. In diesen sind, reihenweise angeordnet, kleine Häuser mit Bäumen. Die Bordüre weist viele schmale Streifen auf. Ladik Ladik: Auch dieser Teppich stammt aus der mittleren Türkei. Er hat eine Dichte von 1000-2000 Knoten auf den qdm. Seine Kette ist Baumwolle oder Wolle, Schuß und Flor sind Wolle. Der Ladik erscheint meist als Ge• betsteppich und zeigt fast immer geometrische Muster. Seine Grundfarben sind ein leuchtendes Rot, manchmal ein Kornblumenblau oder ein Grün. Für diesen Gebetsteppich ist charakteristisch, daß er stets kleine stilisierte Tulpen zeigt. Das Feld über der Gebetsnische, der „Himmel”, ist durch vereinfachte Blumen, im oberen Feld durch kleine stilisierte Bäumchen gekennzeichnet. Der Ladik tritt nur als Brücke auf, seine größte Länge geht nicht über z m hinaus. Er gehört zu den beliebtesten Anatoliern und hat sich auch mit seinen rein geometrischen Mustern bis heute am reinsten erhalten. Die alten Stücke zeigen eine außerordentlich feine Knüpfung. Bei den neueren Exemplaren läßt allerdings die Qualität nach. Der Flor ist relativ kurz geschoren, die Wolle fein und glänzend. Meins Melas: Der Melas, aus der westlichen Türkei kommend, weist eine Dichte von 600-1000 Knoten auf den qdm auf. Seine Kette ist Baumwolle, Wolle oder Ziegenhaar, sein Schuß Wolle, ebenso der Flor. Bei diesem Teppich sind auch Kette und Schuß gefärbt. Der Melas ist ein Gebetsteppich, bei• dem das Gebetsfeld fast immer ungemustert bleibt; nur selten hängt von der Spitze der Nische eine stilisierte Ampel herab. Das Gebetsfeld ist meist rot oder blau, nur manchmal grün. Die Bordüre besteht meist aus drei Streifen, von denen der mittlere große Blumen zeigt. Der Melas, der nur in der Größe einer Brücke mit einer 1-Inge von höchstens 2 m auftritt, ist ein außerordentlich schöner Teppich von leuchtenden Farben, der aber nicht sehr strapazierfähig ist. Panderma Panderma: Dieser Teppich, der in der nördlichen Türkei hergestellt wird. hat eine Dichte von 1500-2500 Knoten auf den qdm.